Kaum ein Hobby ist so leicht zugänglich wie Briefmarken. Oft liegt irgendwo in der Familie ein altes Album, und auf manchem Brief klebt noch eine schöne Marke. Gleichzeitig ist das Angebot riesig. Ohne Plan kaufst du schnell Kisten voller Marken, die du eigentlich gar nicht willst. In diesem Artikel geht es darum, wie du sinnvoll anfängst und wo du in Deutschland gute Marken findest.
Wähl ein Sammelgebiet
Niemand sammelt alle Marken der Welt. Ein klares Gebiet hilft dir, gezielt zu suchen und Preise zu vergleichen. Beliebte Einstiege in Deutschland sind:
- Bund: die Marken der Bundesrepublik, gut erhältlich und gut dokumentiert.
- Ein früheres Gebiet: zum Beispiel Deutsches Reich, DDR oder Berlin.
- Ein Motiv: Eisenbahnen, Vögel, Raumfahrt, Musik oder Sport, über alle Länder hinweg.
- Deine Region: Stempel und Belege aus deiner Stadt oder deinem Landkreis.
Leg außerdem fest, ob du postfrisch oder gestempelt sammelst. Das macht beim Preis und bei der Aufbewahrung einen großen Unterschied. Was die Begriffe genau bedeuten, liest du in Briefmarken aufbewahren und richtig anfassen.
Der Katalog: deine wichtigste Anschaffung
In Deutschland arbeiten fast alle Sammler, Händler und Auktionshäuser mit den MICHEL-Katalogen aus dem Schwaneberger Verlag. Jede Marke hat dort eine eigene MICHEL-Nummer. Wenn in einem Angebot „Mi.-Nr. 123“ steht, ist diese Nummer gemeint.
Der Katalog zeigt dir, welche Marken es in deinem Gebiet gibt, wie sie sich unterscheiden und welche Bewertung sie haben. Diese Bewertung ist ein Richtwert, kein Verkaufspreis. Im Handel zahlst du für gewöhnliche Marken oft nur einen Bruchteil davon. Für den Anfang reicht eine ältere Ausgabe vollkommen aus. Viele Vereine haben außerdem eine Bibliothek, in der du aktuelle Kataloge einsehen kannst.
Vereine und Tauschtage
Der beste Ort zum Lernen ist ein Briefmarkenverein. Die meisten Vereine in Deutschland sind im Bund Deutscher Philatelisten (BDPh) organisiert. Auf dessen Website findest du die Ortsvereine, und dort gibt es oft auch Arbeitsgemeinschaften für bestimmte Gebiete oder Motive.
Im Verein kannst du:
- an Tauschtagen oder Tauschabenden Marken tauschen und kaufen,
- erfahrene Sammler fragen, bevor du etwas Teures kaufst,
- Kataloge und Fachliteratur ausleihen,
- über Rundsendungen Marken von anderen Mitgliedern ansehen und auswählen.
Für Mitglieder gibt es außerdem die Zeitschrift „philatelie“. Gerade am Anfang spart dir der Austausch mit Gleichgesinnten viel Lehrgeld.
Geh einfach mal zu einem Tauschtag in deiner Nähe, auch ohne Mitgliedschaft. Gäste sind in vielen Vereinen willkommen, und du bekommst schnell ein Gefühl für Preise.
Börsen und Messen
Auf einer Briefmarkenbörse siehst du an einem Tag mehr Angebot als in Monaten online. Neben vielen kleinen Börsen von Vereinen gibt es größere Veranstaltungen. Eine bekannte ist die Internationale Briefmarken-Börse Ulm, auf der viele Händler, Auktionshäuser und Verbände vertreten sind. Termine von Händlern und Verbandsveranstaltungen findest du auch beim Händlerverband APHV.
Nimm Pinzette, Lupe und deine Fehlliste mit. So kaufst du gezielt und nicht aus dem Bauch heraus. Was in deine Tasche gehört, liest du in Zubehör für Sammler.

Briefmarkenhändler
Ein guter Händler ist Gold wert, vor allem, wenn du gezielt Lücken füllen willst. Viele seriöse Händler in Deutschland sind Mitglied im APHV Bundesverband des Deutschen Briefmarkenhandels. Der Verband hat ein Mitgliederverzeichnis und vermittelt bei Streitigkeiten zwischen Kunden und Mitgliedern. Das gibt dir als Käufer etwas mehr Sicherheit.
Achte bei jedem Händler auf klare Angaben: MICHEL-Nummer, Erhaltung, Fotos von Vorder- und Rückseite und ein Rückgaberecht.
Tipp: Erfasse in AgAurium bei jeder Marke die MICHEL-Nummer und den Kaufpreis. So siehst du beim nächsten Tauschtag sofort, was dir noch fehlt und was du schon doppelt hast. AgAurium kostenlos testen →
Auktionshäuser
Für bessere Einzelstücke und ganze Sammlungen sind Auktionen interessant. Bekannte deutsche Häuser sind zum Beispiel das Auktionshaus Heinrich Köhler in Wiesbaden und das Auktionshaus Christoph Gärtner in Bietigheim-Bissingen. Die Kataloge kannst du online durchsehen, und du lernst schon beim Lesen viel über Erhaltung und Preise.
Rechne immer mit dem Aufgeld, das zum Zuschlag dazukommt, und mit Versandkosten. Bei teuren Marken lohnt sich ein Attest oder Befund eines Prüfers. In Deutschland sind viele anerkannte Prüfer im Bund Philatelistischer Prüfer (BPP) organisiert. Dort findest du für jedes Prüfgebiet einen Ansprechpartner.
Neuheiten direkt von der Deutschen Post
Neue deutsche Marken bekommst du am einfachsten bei der Deutschen Post, am Schalter oder im Shop der Deutschen Post im Bereich Sammeln. Dort gibt es auch Ersttagsbriefe und andere Sammlerprodukte. Wer keine Ausgabe verpassen will, kann bei der Deutschen Post ein Abonnement abschließen. Ansprechpartner dafür ist der Sammler-Service in Weiden.
Bedenk dabei: Neuheiten zum Nennwert sind ein schöner Weg, eine laufende Sammlung zu pflegen. Eine Wertanlage sind sie in der Regel nicht.
Kiloware und Nachlässe
Kiloware sind Marken, die nach Gewicht verkauft werden, meist noch auf Papier. Das ist günstig und macht Spaß: Du sortierst, löst ab und entdeckst ab und zu einen besonderen Stempel oder eine Variante. Rechne aber nicht mit Schätzen. Kiloware ist vor allem gut zum Üben und zum Füllen von Lücken bei gewöhnlichen Marken.
Nachlässe und ganze Sammlungen tauchen bei Händlern, Auktionen, Haushaltsauflösungen und im Bekanntenkreis auf. Schau genau hin: Oft sind die besten Stücke schon herausgenommen, und viele Alben enthalten vor allem moderne Massenware. Prüf ein paar Seiten stichprobenartig, bevor du ein Angebot machst.
Online-Marktplätze
Auf großen Plattformen wie eBay und Kleinanzeigen findest du eine riesige Auswahl, von Einzelmarken bis zu ganzen Sammlungen. Das ist praktisch, aber du siehst die Marke nur auf einem Foto. Zähnung, Gummierung und kleine Mängel sind dort schwer zu beurteilen.
- Kauf bei Verkäufern mit guten Bewertungen und klaren Fotos von Vorder- und Rückseite.
- Frag nach, wenn die Erhaltung nicht eindeutig beschrieben ist.
- Teure Marken kaufst du besser mit Attest oder bei einem Händler mit Rückgaberecht.
Was du besser lässt
Ein paar Fehler machen viele Anfänger. Die meisten lassen sich leicht vermeiden:
- Kein Kauf nach Katalogwert. Ein Angebot mit „Katalogwert 500 Euro“ für 50 Euro klingt gut, ist aber oft ein ganz normaler Preis.
- Keine teuren „Raritäten“ ohne Prüfung. Gerade bei bekannten Marken gibt es Fälschungen und nachgummierte Exemplare.
- Keine Sammelabos, die du nicht verstehst. Manche Versender verkaufen Serien deutlich über Nennwert. Vergleich vorher mit dem Preis bei der Deutschen Post oder im Handel.
- Keine alten DM-Marken als Porto-Ersatz kaufen. Sie gelten seit 2002 nicht mehr für die Post.
- Nicht alles auf einmal kaufen. Fang klein an und lern zuerst dein Gebiet kennen.
Wie du die Erhaltung einer Marke beurteilst, liest du in Erhaltung bestimmen. Allgemeine Tipps für den Start findest du in Mit dem Sammeln anfangen.
So hilft dir AgAurium
Schon nach ein paar Tauschtagen weißt du nicht mehr genau, welche Marke du wo gekauft hast und was sie gekostet hat. In AgAurium erfasst du jede Briefmarke mit Land, Jahr, Nennwert und Erhaltung: Postfrisch, Ungebraucht (mit Falz) oder Gestempelt. In den Notizen hältst du die MICHEL-Nummer, Besonderheiten und den Händler fest, und ein Foto von Vorder- und Rückseite zeigt später den Zustand beim Kauf.
Beim Aufbewahrungsort notierst du zum Beispiel „Einsteckbuch 2, Seite 5“. Rechnungen und Atteste speicherst du direkt beim Stück. So hast du jederzeit eine Übersicht, die du auch drucken oder exportieren kannst.
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