Stempel auf Gold und Silber: So liest du Feingehalt, Herstellerzeichen und Punzen

Dreh einen Ring um oder schau dir den Verschluss einer Kette an, und du findest oft ein paar winzige Zeichen. Eine Zahl, ein paar Buchstaben, manchmal ein kleines Symbol. Zusammen sagen sie, aus welchem Metall das Schmuckstück besteht und wer dafür verantwortlich ist. In diesem Artikel liest du, wie du sie entschlüsselst.

Nimm eine Lupe mit 10-facher Vergrößerung und gutes Licht. Punzen sitzen meist an der Innenseite eines Rings, an oder neben dem Verschluss einer Kette, an der Öse eines Anhängers oder auf der Rückseite einer Brosche.

Ein goldener Verlobungsring mit Diamant und einer Reihe Punzen an der Innenseite

1. Der Feingehalt: Wie viel Edelmetall steckt drin?

Die wichtigste Zahl ist der Feingehalt in Tausendsteln. 585 bedeutet, dass 585 von 1000 Teilen Gold sind, also 58,5 Prozent. Der Rest ist ein anderes Metall, etwa Silber oder Kupfer.

MetallÜbliche FeingehalteAuch geschrieben als
Gold333, 375, 585, 750, 916, 9998 Karat, 9 Karat, 14 Karat, 18 Karat, 22 Karat, 24 Karat; Au585, Au750
Silber800, 835, 925, 999Sterling (925), Ag925
Platin850, 900, 950, 999Pt950
Palladium500, 950, 999Pd950

Gut zu wissen:

  • 14 Karat sind genau 583,3, gestempelt wird aber fast immer 585. Auf älterem oder ausländischem Schmuck siehst du manchmal 583.
  • K oder kt steht für Karat, den Goldgehalt in 24 Teilen. Mehr zur Umrechnung liest du in Feingewicht, Feingehalt und Karat.
  • Au, Ag, Pt und Pd sind die chemischen Zeichen für Gold, Silber, Platin und Palladium.
  • Eine Punze kann geschlagen oder gelasert sein. Bei modernen Ringen steht die Angabe oft sehr sauber gelasert an der Innenseite, wie bei dem Ring unten.
Die Innenseite eines Goldrings mit gelasertem Herstellerzeichen und der Punze Au375

2. Wie ist das in Deutschland geregelt?

In Deutschland gibt es keine staatliche Prüfung von Schmuck. Grundlage ist das Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren von 1884, das seit 1888 gilt. Die wichtigsten Punkte:

  • Gold und Silber dürfen in jedem Feingehalt hergestellt und verkauft werden. Deshalb sind in Deutschland auch 333 (8 Karat) und 375 (9 Karat) üblich.
  • Eine Punze ist freiwillig. Wer aber einen Feingehalt angibt, muss sich an das Gesetz halten.
  • Bei Schmuck wird der Feingehalt in Tausendsteln angegeben, also 585 und nicht nur „14 K“. Eine Karatangabe darf zusätzlich dastehen.
  • Die Angabe muss stimmen. Bei Schmuck ist eine Abweichung von höchstens 10 Tausendsteln erlaubt. Verantwortlich ist, wer den Schmuck verkauft, und bei in Deutschland gestempelter Ware auch der Betrieb, der den Stempel angebracht hat.
  • Kein Feingehalt auf vergoldeter oder gefüllter Ware. Auf einem Stück, das nur mit Gold überzogen oder verbunden ist, darf kein Feingehalt stehen.

Viele Hersteller setzen zusätzlich ein Herstellerzeichen oder eine Marke daneben, wie auf dem Ring im Foto oben. So weißt du, wer für die Angabe einsteht.

3. Halbmond und Krone: alte deutsche Punzen

Auf Silberwaren wie Besteck und Tafelsilber aus der Zeit nach 1888 findest du oft eine Reichskrone mit einem Halbmond daneben, dazu den Feingehalt, meist 800, und das Zeichen des Herstellers. Dieses Zeichen war ab 1888 für Silbergeräte ab 800 vorgeschrieben. Für Goldgeräte war die Reichskrone in einer Sonne vorgesehen. Auf Schmuck durften diese Zeichen nicht verwendet werden.

4. Die kleine Waage: das internationale Zeichen

Auf manchen Stücken siehst du eine kleine Waage mit einer Zahl daneben. Das ist das gemeinsame Kontrollzeichen (Common Control Mark, CCM) des Wiener Übereinkommens über die Prüfung und Bezeichnung von Edelmetallgegenständen. Die Umrandung zeigt das Metall, die Zahl den Feingehalt. Die Mitgliedsländer erkennen das Zeichen gegenseitig an. Dazu gehören unter anderem Österreich, die Schweiz, die Niederlande, das Vereinigte Königreich und die skandinavischen Länder. Deutschland ist kein Mitglied. Ein Stück mit diesem Zeichen wurde also in einem anderen Land unabhängig geprüft.

Tipp: Nutze in AgAurium eines der beiden Fotos für eine Nahaufnahme der Punzen und notiere, was du siehst, zum Beispiel „585, Herstellerzeichen AB“. Dann musst du das Schmuckstück später nicht noch einmal unter die Lupe legen. AgAurium kostenlos testen →

5. Andere Länder kurz erklärt

  • Niederlande: Die Prüfung ist Pflicht, mit einem Mindestfeingehalt von 585 für Gold, 800 für Silber und 850 für Platin. Altes niederländisches Silber trägt oft einen kleinen Löwen mit einer Zahl für die Gehaltsklasse.
  • Vereinigtes Königreich: Die Prüfung ist Pflicht. Eine britische Punzierung besteht aus dem Zeichen des Herstellers, dem Feingehalt in einer Umrandung, die das Metall anzeigt, und dem Zeichen eines der vier Prüfämter: Leopardenkopf (London), Anker (Birmingham), Rose (Sheffield) oder Burg (Edinburgh).
Nahaufnahme der Punzen in einem Goldring: 585, ein kleines Cocktailglas, PD+ in einem Rechteck und ein Eichenblatt mit 585

Der Verlobungsring vom Anfang dieses Artikels, aus 14 Karat Gold von der niederländischen Marke Excellent Jewelry, wurde 2026 in den Niederlanden geprüft. Links stehen die Zeichen des Herstellers, rechts die niederländische Punzierung. Einen Jahresbuchstaben trägt er nicht, der wird heute nur auf Wunsch angebracht. Von links nach rechts: 585, der Feingehalt, vom Hersteller angebracht; ein kleines Cocktailglas, das nicht zu den niederländischen Zeichen gehört und wahrscheinlich das Zeichen des Herstellers ist; PD+ in einem Rechteck, wahrscheinlich das Verantwortlichkeitszeichen des Herstellers oder Importeurs (Pd ist auch das chemische Zeichen für Palladium, das in Weißgold steckt, aber eine Palladiumangabe trägt meist auch eine Zahl, etwa Pd950); und ein Eichenblatt mit 585, das niederländische Prüfzeichen für 585er Gold.

Warum ein Kopf aus Weißgold? Die Ringschiene ist aus Gelbgold, der Kopf mit dem Diamanten aus Weißgold. Ein solcher zweifarbiger Ring heißt Bicolor, und das hat einen Grund. Ein Diamant wirkt wie ein Prisma: Er fängt das Licht seiner Umgebung ein, auch das seiner eigenen Fassung. Gelbe Krappen geben dem Stein einen warmen, gelblichen Schimmer. Weiße Krappen treten zurück, sodass der Stein weißer und klarer wirkt und oft auch etwas größer. Weißgold ist Gold, das mit weißen Metallen wie Palladium oder Silber legiert ist. Meist bekommt es noch eine dünne Rhodiumschicht für einen hellen, weißen Glanz. Diese Schicht nutzt sich mit den Jahren ab, ein Juwelier kann sie aber erneuern.

6. Stempel, die auf eine dünne Schicht hinweisen

Manche Stempel bedeuten, dass nur wenig Edelmetall drin ist. Dann liegt eine dünne Schicht Gold oder Silber über einem anderen Metall.

StempelBedeutung
GP (gold plated), GEVergoldet: eine sehr dünne Goldschicht, meist galvanisch aufgebracht
HGE (heavy gold electroplate)Etwas dicker vergoldet, aber immer noch eine Schicht
GF (gold filled), RGP (rolled gold plate)Eine dickere Goldschicht, die auf ein anderes Metall gewalzt ist
Doublé, PlaquéÄltere Begriffe für eine aufgewalzte oder aufgebrachte Goldschicht
VermeilSilber mit einer Goldschicht
EP, EPNS, versilbertVersilbert, oft auf Neusilber
Alpaka, NeusilberEine Legierung aus Kupfer, Nickel und Zink, ohne Silber

Siehst du eine Zahl zusammen mit einem dieser Stempel, etwa „14K GF“ oder „18K GP“, dann beschreibt die Zahl die Schicht und nicht das ganze Stück.

7. Ist eine Punze eine Garantie?

Nicht immer. In Deutschland stempelt der Hersteller selbst, eine unabhängige Prüfung gibt es nicht. Eine einzelne 925 oder 585 ohne weiteres Zeichen kann jeder in Metall schlagen, und es sind Stücke mit gefälschten Stempeln im Umlauf. Im Zweifel lass das Schmuckstück prüfen. Wie das geht, liest du in Echt oder gefälscht: Gold und Silber prüfen.

Die Innenseite eines Silberrings mit der Punze 925

Punzen in AgAurium festhalten

Eine Punze liest du einmal gründlich, danach willst du das nicht immer wieder tun. In AgAurium trägst du für jedes Schmuckstück das Material und den Feingehalt ein, bei Gold auch das Karat. Ein übliches Karat wie 14 oder 18 rechnet AgAurium in den gestempelten Wert um (585 oder 750). Notiere alles Weitere, etwa das Herstellerzeichen, in den Notizen. Eine Nahaufnahme der Punzen kannst du als zweites Foto speichern. Hat das Stück eine Gravur, etwa einen Namen oder ein Datum, notiere auch diesen Text. Geht das Schmuckstück verloren oder wird es gestohlen, kannst du der Polizei und deiner Versicherung genau sagen, wie es aussieht und woran man es erkennt. Das hilft bei der Versicherung, beim Verkauf und für deine Erben.

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